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Technik und Taktik – IS(TA)R Drohnen Infanterie

vor 11 Minuten
4 Min. Lesezeit

Drohnen sind auf dem modernen Gefechtsfeld zu einem selbstverständlichen Mittel geworden. Für die Infanterie liegt ihr Wert jedoch nicht primär in der Technik, sondern in der Fähigkeit, schneller Informationen zu gewinnen, Annahmen zu überprüfen und Entscheidungen auf eine bessere Grundlage zu stellen. Genau hier setzt die neue Arbeitshilfe "Taktischer Einsatz der Mini-Drohnen ISTAR in der Infanterie" des Lehrverbandes Infanterie an.

 

Die Arbeitshilfe richtet sich insbesondere an Kdt, Stäbe, Zfhr und weitere Angehörige der Infanterie, welche Drohnen planen, führen oder einsetzen. Sie ergänzt die bestehenden technischen Reglemente um die taktische Perspektive und verarbeitet Erkenntnisse aus Ausbildung, Übungen und bisherigen Erfahrungen. Sie ist als inoffizielle Arbeitshilfe zu verstehen und wird mit neuen Erkenntnissen weiterentwickelt.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eingeführt werden aktuell in GAD und WK: ANAFI UKR (Stufe Kp) und DJI Mini-4-Pro (Stufe Z);

  • Die Drohnenlenker Spezialisierung erfolgt aktuell als tertiäre Ausbildung;

  • Der Drohnen Einsatz erfolgt minimal im Binom. Alles weitere liegt im Ermessen des Kdt;

  • Der Einsatz der Drohnen ist Ausfluss der Lagebeurteilung. Die Drohnenlenker sind ähnlich wie Späher zu führen und früh in die Planentwicklung miteinzubeziehen;

  • Der technischen Integration sind Grenzen gesetzt;

  • Die Arbeitshilfe ist im Arbeitsmodus zu verstehen und hat keinen Anspruch auf Richtigkeit. Erfahrungen sollen permanent zurückfliessen und die Arbeitshilfe fortlaufend überarbeitet werden.

 

Die entscheidende Frage ist nicht: Was kann die Drohne?

Die Frage für den militärischen Führer lautet vielmehr: Welchen Beitrag kann die Drohne in meiner Lage zur Auftragserfüllung leisten?

 

Die Infanterie verfügt aktuell mit der ANAFI UKR und der DJI Mini-4-Pro über zwei unterschiedliche Systeme. Die ANAFI UKR ist militärisch ausgelegt und verfügt unter anderem über Tages- und Wärmebildsensorik sowie verschlüsselte Kommunikation. Die DJI Mini-4-Pro zeichnet sich dagegen durch geringes Gewicht, hohe Mobilität und einfache Bedienung aus. Die beiden Systeme sind damit nicht beliebig austauschbar, sondern entsprechend Auftrag, Bedrohung, Umweltbedingungen und gewünschtem Aufklärungsergebnis einzusetzen.

 

Für Führungskräfte ist dabei eine Erkenntnis zentral: Drohnen ersetzen keine Späher, Aufklärer oder Beobachter. Sie erweitern deren Möglichkeiten. Sie können die Zeit bis zur Gewinnung entscheidungsrelevanter Informationen verkürzen, Räume rasch überblicken und Meldungen verifizieren.

 

Damit wird die Drohne zu einem Führungsinstrument.

 

Drohneneinsatz beginnt in der Planung

Der Nutzen einer Drohne entsteht nicht erst mit dem Start. Ein wirksamer Drohneneinsatz beginnt bereits während der Lagebeurteilung.

 

Der Kdt muss festlegen, welche Information benötigt wird, wann sie benötigt wird und welche Bedeutung sie für seinen Entschluss besitzt. Die konkrete Flugplanung soll dagegen grundsätzlich dem Drohnenlenker überlassen werden. Gelände, Wetter, Bedrohung, Flugroute und technische Einschränkungen können durch ihn unmittelbar berücksichtigt werden. Die Arbeitshilfe empfiehlt deshalb, Drohnenlenker frühzeitig in die Planung einzubeziehen und mit ihnen einen taktischen Dialog zu führen.

 

Damit verändert sich auch das Verständnis von Führung. Der Drohnenlenker ist nicht lediglich Bediener eines technischen Systems. Er muss die taktische Lage verstehen, selbständig handeln können und wissen, welche Information für den Kdt tatsächlich entscheidungsrelevant ist.

 

Auch die Organisation verdient Beachtung. Der Drohneneinsatz erfolgt grundsätzlich mindestens im Binom. Während eine Person die Drohne lenkt, übernimmt die zweite unter anderem Nahschutz, Beobachtung des Umfelds, Verbindung, Akkuwechsel und Vorbereitung eines Folgeauftrags. Dadurch steigen Durchhaltefähigkeit, Führbarkeit und Überlebensfähigkeit.

 

Sehen – ohne selbst gesehen zu werden

Der Informationsgewinn durch die Drohne ist nur die eine Seite. Jeder Drohneneinsatz erzeugt gleichzeitig Signaturen.

 

Akustik, Optik und elektromagnetische Emissionen können eigene Kräfte, Führungsstandorte oder Absichten verraten. Gerade gegenüber einem technologisch ebenbürtigen Gegner muss deshalb bereits bei der Planung berücksichtigt werden, welche Signatur der eigene Drohneneinsatz erzeugt und welches Risiko daraus entsteht.

 

Start und Landung gehören zu den besonders kritischen Phasen. Direkte Flugachsen, wiederkehrende Muster oder ein Start unmittelbar bei einem Führungsstand können dem Gegner wertvolle Hinweise liefern. Geländeausnutzung, indirekte Anflugwege, angepasste Flughöhen und ein bewusst gewähltes Flugprofil sind deshalb nicht nur fliegerische Fragen, sondern Bestandteil der taktischen Tarnung.

 

Umgekehrt kann die Sichtbarkeit einer Drohne auch bewusst genutzt werden. Ein erkennbarer Drohneneinsatz kann gegnerische Aufmerksamkeit binden, Reaktionen auslösen und damit einen Beitrag zur Täuschung leisten.

 

Gelände und Umwelt setzen Grenzen

Die Leistungsfähigkeit einer Drohne ist nicht konstant. Temperatur

, Wind, Gelände, Sichtverhältnisse, elektromagnetische Umgebung und Verbindungsqualität beeinflussen Reichweite, Flugdauer und Sensorleistung unmittelbar.

 

Im überbauten Gelände eröffnen Drohnen neue Möglichkeiten zur Beobachtung hinter Gebäuden und in schwer einsehbaren Räumen. Gleichzeitig reduzieren Häuserschluchten und elektromagnetische Einflüsse die Verbindungsqualität und erhöhen das Kollisionsrisiko. Im Gebirge wirken Wind, Temperatur, Höhe und Topografie besonders stark auf Flugverhalten und Verbindung. Im bedeckten Gelände begrenzen Vegetation, kurze Sichtlinien und fehlende Start- und Landeflächen den Einsatz.

Damit wird deutlich: Ein erfolgversprechender Drohneneinsatz lässt sich nicht unabhängig vom Gelände planen.

 

Ähnliches gilt für die Logistik. Die verfügbare Akkukapazität begrenzt unmittelbar Dauer und Wirkung. Temperatur, Wind, Einsatzhöhe und Flugprofil beeinflussen die tatsächliche Flugzeit. Akkureserven, Ladezeiten und Ladeinfrastruktur gehören deshalb in die Einsatzplanung – nicht erst in die Vorbereitung unmittelbar vor dem Flug.

 

Vom Bataillon bis zum Zug

Der taktische Mehrwert unterscheidet sich je nach Stufe und Verband.

Auf Stufe Inf Kp unterstützt die Drohne insbesondere die Lagebeurteilung des Kp Kdt. Sie kann Schlüsselgelände aufklären, Meldungen verifizieren, gegnerische Bewegungen beobachten oder Flanken überwachen. Ihr grösster Nutzen kann bereits vor Beginn einer Aktion entstehen, indem Annahmen überprüft und Risiken frühzeitig erkannt werden.

 

Auf Stufe Inf Z wird der Einsatz unmittelbarer und kurzfristiger: der Blick hinter eine Geländekante, die Überprüfung eines Hindernisses, die Erkundung einer Marschroute oder die Beobachtung einer Sperre.

 

Für Späher erweitert die Drohne die Aufklärungsfähigkeit und kann bis zur Zielortung, Feuerleitung und Wirkungsbeurteilung eingesetzt werden (wird aktuell getestet). Für Aufklärer, Sicherungs-, Nachschub- und Übermittlungsformationen ergeben sich wiederum andere Schwerpunkte. Die Arbeitshilfe zeigt diese Einsatzmöglichkeiten bewusst verbandsspezifisch auf.

 

Konsequenz für den militärischen Führer

Die zentrale Erkenntnis lautet deshalb nicht, dass jeder Infanterieverband möglichst viele Drohnen benötigt.

 

Entscheidend ist vielmehr, Drohnen als Bestandteil des eigenen taktischen Instrumentariums zu verstehen. Der Kdt muss ihre Möglichkeiten kennen, ihre Grenzen berücksichtigen und ihren Einsatz frühzeitig in seine Planung integrieren.

 

Richtig eingesetzt kann eine kleine Drohne in kurzer Zeit eine Information liefern, für deren Gewinnung ansonsten Kräfte gebunden, Zeit benötigt oder Risiken eingegangen werden müssten. Falsch eingesetzt kann dasselbe System eigene Kräfte aufklären, Ressourcen binden oder lediglich eine grosse Menge wenig relevanter Bilder oder Informationen erzeugen.

 

Die Arbeitshilfe "Taktischer Einsatz der Mini-Drohnen ISTAR in der Infanterie" soll deshalb weniger erklären, wie man eine Drohne fliegt, sondern vor allem zeigen, wie man sie taktisch sinnvoll einsetzt und führt. Genau darin liegt ihr Mehrwert für Führungskräfte der Infanterie.

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